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Die Sache mit dem Palästinensertuch

 

 

Zuerst einmal - was ist Israel, was ist Palästina?

Um diese harmlose Frage zu beantworten, müssen wir tatsächlich geschichtlich weit zurückblicken.

Archäologisch verifizierbare Nachweise einer Besiedlung im Gebiet des heutigen Israels und des autonomen Palästinensergebietes sind auf die Zeit zwischen dem 12. und 11. Jahrhundert v. Chr. datierbar; frühere Nachweise von Menschen in diesem Gebiet werden ausgeklammert, da es sich dabei nicht um seßhafte Bevölkerung handelte.

Die in der Thora, Bücher AT, beschriebene Landnahme Kanaans durch Kampf ist dabei archäologisch nicht haltbar, vielmehr ist eine einfache Durchdringung anzunehmen. Auch ist das laut AT um 1000 v. Chr. von König David gegründete Königreich nicht an konkreten Fakten verifizierbar, wie auch sein Nachfolger König Salomo. Hingegen nachweisbar ist die Existenz zweier Reiche ab 850 v.Chr., das so genannte Nord- und Südreich, wobei das Nordreich den Namen ISRAEL trug, das Südreich hingegen als JUDA bezeichnet worden ist.

Mit dem Untergang des Nordreiches Israel im Jahre 722 v. Chr. und die Übernahme durch das Großreich der Assyrer, übernahm das Südreich die Bezeichnung Israel.

Das Südreich blieb bis zu seiner Eroberung 587 v. Chr. durch Babylon autonom. Danach folgte die Besetzung und Eingliederung in die jeweiligen Reiche durch die Perser, Alexander den Großen, Seleukiden und letztlich Rom. Hierbei ist erwähnenswert, dass der Makkabäer-Aufstand 165 v. Chr. Israel (Südreich) nochmal eine Autonomiespanne von rund 100 Jahren bescherte.

Die ersten archäologisch nachgewiesenen Spuren einer früh- oder protoisraelitischen Besiedlung der Region Palästina gehen auf die Zeit zwischen dem 12. und dem 11. Jahrhundert v. Chr. zurück (vgl. Landnahme Kanaans). Jerusalem wurde nach biblischer Überlieferung etwa 1000 v. Chr. als Hauptstadt von Davids Königreich Israel gegründet; dieses zerfiel nach dem Tod seines Thronfolgers Salomo in zwei Reiche. Das Nordreich Israel ging 722 v. Chr. im Kampf gegen die Assyrer unter, das Südreich Juda wurde 587 v. Chr. von Babylon erobert. Das Land wurde in weiterer Folge Teil des Perserreichs, dann des Reiches von Alexander dem Großen, zuletzt des Reichs der Seleukiden.

Bis hierhin also immer noch kein Palaestina, aber eine interessante Namensverlagerung des Begriffes Israel von einem Reich auf ein anderes Reich. Schauen wir also weiter.

Die Römer gliederten das neu erworbene Gebiet in zwei Provinzen, Syria im Norden und Judaea im Süden, also fast analog den "alten Zeiten". Diese Teilung und Namensgebung überdauerte auch den ersten jüdischen Aufstand (jüdisch, vom Namen der Südprovinz, mit Hauptstadt Jerusalem, Judaea) 70 n. Chr., in dessen Folge der jerusalemer Tempel zerstört wurde. Erst der zweite Aufstand, nach seinem Anführer auch Bar-Kochba-Aufstand bezeichnet, im Jahre 135 n. Chr. brachte hier Änderungen.

Jerusalem wurde in Aelia Capitolina umbenannt, Syria und Judaea wurden zu der Großprovinz Syria Palaestina zusammengefasst, womit wir das erste Mal den Ausdruck Palaestina finden. Diese rigorose Maßnahmen sollte das judaeische Element ausmerzen; Rom hatte einfach keinen Bedarf mehr an Problemen in diesem aus imperialer Sicht fast völlig unwichtigen Landflecken.

193-4 n. Chr. wurde die Großprovinz nochmals umstrukturiert. Es entstanden die drei Teilprovinzen Syria Coele, Syria Phoenice und Palaestina, womit nur Palaestina nun als eigenständiger Begriff auftaucht.

Die Betrachtung späterer Umbenennungen aller drei Teile können wir uns somit ersparen und betrachten nun abschließend nur die Provinz Palaestina.

395 n. Chr. wurde diese römische Provinz nochmal dreigeteilt.

- Palaestina Prima, Hauptstadt Caesarea, bestehend aus dem ehemaligen Judaea, Samaria und Peraea.

- Palaestina Secunda, Hauptstadt Skythopolis, bestehend aus Galilaea, Jezreel-Ebene und Decapolis/West (Phoenicia Libani u. Phoenicia?)

- Palaestina Tertia, Hauptstadt Petra, bestehend aus Sinai, Teilen Arabia

Es folgte die Zeit der Besetzung aller drei Provinzen durch die Sassaniden, 614-628 n. Chr., die Rückeroberung durch Ost-Rom, die mehr oder weniger friedliche Übernahme durch die Araber. Von Israel sprach man aber nicht mehr.

 

 

Kufiya - das Tuch der Palästinenser?

Synonyme: Kafiya, Kefije, Kūfiya, Ġutra, Hatta, Ḥaṭṭa, modern: Shemag

Kopftuch als Sonnenschutz, von Männern getragen und in der arabischen Welt weit verbreitet.

Das Kopftuch ist dabei meist quadratisch, zumindest aber rechteckig, bestet aus Baumwolle, weist ein gleichmäßig gewürfeltes Muster mit Seitenstreifen auf und hat häufig einen Quastenrand.

Den Namen bekam das Kopftuch vom ursprünglich bekanntesten Herstellungsort der Stadt Kufa im heutigen Irak. Dort wurde diese Art des Kopftuches von den dort lebenden Beduinenstämmen sowie Bauern getragen. Als Teil des persischen Großreiches, dem auch die ehemals selbständigen Reiche Israel und Judaea angegliedert worden waren (s.o.), kam das Kopftuch auch in diese Region. An dieser Stelle sei übrigens auch ein Blick auf die heutige saudi-arabische Halbinsel empfohlen - bzw. genauer auf historische Gemälde von jüdischen Gläubigen auf der saudi-arabischen Halbinsel ab 300 n. Chr. - die dargestellten Juden haben nämlich genau diese Tücher, die man heute als Palästinensertücher bezeichnet, an.

Recht modern, genauer durch den Großmufti Mohammed Amin al-Husseini und Jassir Arafat, wurde das Tuch "politisch belastet", wobei man drei Dinge festhalten sollte und muss:

1. Politisch belastet ist durch Arafat die Trageweise der Kufiya; also über die rechte Schulter, ansonsten Turbanform.

2. Die Farbgebung Schwarz-Weiß (fatah), nicht aber Weiß-Schwarz (arab.).

3. Die Farbgebung Rot pur oder Rot+x (pflp).

Al-Husseini und Arafat prägten dem Kopftuch eine Symbolik auf, die tendenziell Richtung Nationalismus, Frauenunterdrückung, usw. gehen.. Mehr dazu hier: http://goo.gl/wqiyB.

 

Durch den -inoffiziellen- Gebrauch als Kopftuch bei US-Truppen und Bundeswehr im Nah-Ost-Einsatz ist diese Zuordnung so natürlich nicht aufrecht zu erhalten und ein Kontextwandel nachweisbar, zumindest was die westliche/europäische Sicht anbelangt. In diesem Zusammenhang sei auch darauf hingewiesen, dass die meisten "Palästinensertücher" mittlerweile aus China/Taiwan kommen und somit selbst das Kopftuch als solches keinen landesspezifischen Bezug mehr hat.

Warum übernehmen aber gerade Europäer diese Kopftücher desNahen-Ostens so gerne? Die Begründung ist so einfach wie offensichtlich: durch das Baumwollgewebe und die Tuchgröße wirkt die Kufiya im Sommer als Sonnenschutz ohne zu warm zu werden und im Winter hält sie den empfindlichen Kopfbereich angenehm warm. Dabei ist sie sehr bequem zu tragen.

 

Ein Schlusswort von mir:

Ich werd die Logik, wie man ein spezielle Lesart von Symbolen –oder gar die Etablierung einer Symbolik- einfach so hinnimmt und letzteres irgendwelchen <zensiert> überlässt, nie wirklich verstehen.

1930-2012=82 Jahre

300-1930=1630 Jahre

Differenz pro Kopftuch ohne spezielle Symbolik: 1548 Jahre.

Da erst durch Subjektivierung Symbole Bedeutung erlangen, würde ich mal vorschlagen, dass wir in diesem speziellen Fall und im europäischen Kontext eine Symbolrückführung beginnen oder eine Symbolneuinterpretation aktiv herbeiführen.

Meine Anregung in diesem speziellen quadratischen Stofffall: „Warmhaltefolie für genetisch-bedingte Halbglatzen“ ;-)

Mal schauen, welcher Nationalist diese Tücher dann noch gerne trägt!

 

In diesem Sinne: Symbolik liegt im Auge des Betrachters. Ein Stofftuch sollte aber genau das bleiben, was es ist. Ein Stofftuch halt.

(phelan)

 

 

Quelle für geschichtliche Angaben: Vorlesungsmaterial Connrad/UdS, 2012.


 

 
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