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Pfarrer Wilhelm Caroli

 

 

Pfarrer Wilhelm Caroli wurde am 07. April 1895 in Saarlouis geboren. Er hatte zwei ältere Brüder August und Adolf. Beide übten durch ihren Entschluß ihrer Berufung zum Priesteramt zu folgen starken Einfluß auf den späteren Werdegang von Caroli aus.

Dieser trat tatsächlich Ostern 1914 in das Priesterseminar Trier ein, kam aber, bedingt durch den 1. Weltkrieg, bald als Soldat an die Ostfront. Erst nach diesen prägenden Erlebnissen an der Front, konnte er nach Kriegsende sein Studium in Trier wiederaufnehmen. Ab 1920 studierte er in Speyer, wo auch seine Priesterweihe am 12. März 1921 vom Bischof Ludwig Sebastian erfolgte.

Seine erste Aufgabe begann er am 01. Dezember 1926 als Pfarrer in Rheingönheim wahrzunehmen.

Pfarrer Caroli gehörte mit zu den ersten Bürgern, die die Gefahr der erstarkenden NAZIs in Deutschland erkannte und richtig einschätzte. Mit den ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten wies er offen auf die Gefahren hin und wurde in der Nacht vom 26. auf den 27. Juni 1933 Opfer der NAZI-Willkür. SA-Schläger überfielen ihn vor dem Pfarrhaus und schlugen ihn so zusammen, dass er volle sechs Tage im Krankenhaus verbringen musste. Doch unerschrocken hielt er an seinen Warnungen, an seinem Verweisen auf die Gefahr fest. Das Einschüchterungsmanöver der Schlägertruppe hatte nichts genutzt.

Dann folgte am 08. Juli 1935 der so genannte Kirchensturm. Caroli, der gewarnt worden war, hielt sich just zu dieser Zeit nicht in der Kirche oder dem Pfarrhaus auf, die randalierende Menge ließ ihre Wut an den anwesenden Männern aus, die durch das Läuten der Glocke die Bevölkerung aufmerksam machen wollten.

Dies war aber nur ein Auftakt, dem noch einige weitere Konflikte mit den damaligen Machthabern folgten. Dies nahmen die NAZI-Behörden zum Anlaß und verhängten über Caroli ein Aufenthaltsverbot für Rheingönheim, Ludwigshafen und schließlich für die Pfalz aus. Ein Wechsel in eine andere Pfarrei kam für Caroli nicht in Frage. Um ihn wenigstens etwas zu schützen wurde er durch den Bischof in den (vorzeitigen) Ruhestand versetzt.

Dies hinderte aber weder Caroli daran seine Meinung weiterhin offen zu vertreten, noch die NAZIs ihm am 16. Juni 1937 den Prozess in Frankenthal zu machen: acht Monate Gefängnis im Landesgefängnis Zweibrücken.

Danach begab er sich zu einem seiner Brüder nach Kürrenberg in der Eifel. Aber auch dort vertrat er weiterhin seine Meinung, wie gewohnt auch in Form von Kanzelpredigten. Dies wurde ihm als Kanzelmissbrauch durch die NAZIs zur Last gelegt, er verhaftet und am 18. Februar 1942 ins KZ Dachau deportiert.

Pater Maurus Münch, auch Häftling in Dachau, schreibt über Pfarrer Wilhelm Caroli:,, Entkräftet durch harte Jahre und bitteren Kampf, wurde unser lieber Mitgefangener bereits im furchtbaren Sommer der Hungersnot ein Opfer des Regimes... Tapfer sah er dem Tod ins Auge. Am 23. August 1942 durfte er im qualvollen Hungertod sein Leben hingeben - für seine Herde und das deutsche Volk..."

Sein Leichnam wurde eingeäschert. Ein geweihtes Grab blieb ihm versagt.

 

Dr. Andreas Neumann

 

 

Zu Pfarrer Caroli

 

(Josef Theobald) In der Forschung des Pietismus und der Erweckungsbewegung, vor allem in den USA, ist besonders prägend, dass die Schwärmer des 17. und 18. Jahrhunderts dem "antichristlichen Staatskirchentum Europas" den Rücken kehrten, als sie nach Amerika auswanderten. Im späten 19. Jahrhundert hat ihr Angriff auf das "korrupte alte Europa" begonnen und besonders Deutschland wurde zu ihrem stark beschickten Missionsfeld erklärt. (Erich Beyreuther, Frömmigkeit und Theologie, Georg Olms Verlag, Hildesheim New York 1980, Seite 254/55). So ist auch vielfach die explizite Herausstellung des Nationalsozialismus in Deutschland zu ver stehen. Auch geht es hier um den Versuch, die USA und Großbritannien als überlegeneren Part hinzustellen. Dies beweist oft die Überbewertung der Person Winston Churchills. Was den Kampf des Nationalsozialismus mit der Kirche angeht, hat sich mit der Zeit der Begriff KIRCHENKAMPF durchgesetzt, ursprünglich verwendet für die innerkirchlichen Auseinandersetzungen um Bekenntnis und Ordnung in der evangelischen Kirche. Nach 1945 war allgemein die Meinung vorherrschend, die katholische Kirche habe durchgängig Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleistet. Seit den Sechziger Jahren kamen aber hier immer mehr Einwände, vor allem bei der Aufdeckung der Rolle von Papst Pius XII. Hier spielte die damalige Verstrickung in die Judenverfolgung eine entscheidende Rolle. Kurz skizziert bleibt der Druck der Nationalsozialisten auf die Kirche durch den Kampf um die Schule, durch Diffarmierungen aufgrund stattgefundener Devisen- und Sittenprozesse (1935-37), durch Bespitzelungen und Denunziationen gegen Klerus und Laien sowie durch Terror und Predigtverbote, Konzentrationslager und Gefängnis. (Lexikon der Kirchengeschichte, Lexikon für Theologie und Kirche kompakt, Band 2, Herder Verlag, Freiburg 2001, 1137-1139) In diesen Kontext fällt auch der Fall Pfarrer Caroli.

Die Zeit der Entnazifizierung ist soziologisch gut wissenschftlich begleitet worden, so dass die nach dem Krieg unbelasteten Kirchen für ehemalige Parteigänger in Staatsämtern die Funktion einer Persilscheinquelle übernahmen. Ihre Fürsprache sorgte oft für die Rückkehr in öffentliche Ämter. Die Haltung ehemaliger Parteigänger gegenüber ehemals politisch Verfolgten blieb aber weiterhin distanziert oder man stellte sich als rein ausführendes Organ hin, dem das Prinzip von Befehl und Gehorsam zu Grunde lag. Förderlich war dabei der beginnende Kalte Krieg. Denn man sah in den ehemaligen Nationalsozialisten die standhafteren Antikommunisten. Bis heute bleibt aber umstritten, inwieweit diese wirklich dem Demokratiesierungsprozess unterworfen waren, ob sie sich persönlich auch zu demokratischen Persönlichkeiten verändert haben.

 
04. September 2010
 

 

 

 
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